Enfusion 73 live: Enriko Kehl will die Familienehre wiederherstellen

Sebastian Formella und Ali Eren Demirezen verteidigen ihre WBO-Titel durch vorzeitige Siege
30. September 2018
Dominic Bösel bleibt Europameister – Punktsieg über Enrico Kölling / Ergebnisse und Berichte
28. Oktober 2018

Enfusion 73 live: Enriko Kehl will die Familienehre wiederherstellen

Vor seinem Kampf bei Enfusion 73 in Oberhausen (am 27. Oktober ab 21:30 Uhr live auf ranFIGHTING.de)spricht der deutsche Kickboxer Enriko Kehl über sein nationales Comeback und seine Arbeit bei der Bereitschaftspolizei und blick auf seine beachtliche Karriere zurück.
Der international erfolgreiche Kickbox-Star Enriko Kehl kämpft im Schnitt nur noch einmal im Jahr zuhause in Deutschland – als nächstes am 27. Oktober bei Enfusion 73 in Oberhausen (ab 21.30 Uhr live auf ranFIGHTING.de).
ran.de hat sich vorab ausführlich mit dem Polizisten unterhalten.
ran.de: Wie schön, dass du wieder in Deutschland kämpfst! Was bedeutet es dir denn, in Oberhausen anzutreten?
Enriko Kehl: In den letzten Jahren habe ich immer nur einmal im Jahr in Deutschland bei der Mix Fight Gala gekämpft, daher freut es mich wirklich, mal wieder in Deutschland bei einer anderen Organisation zu kämpfen. Das ist leider in den letzten Jahren etwas zu kurz gekommen. Ich hoffe, dass ich auch im Ruhrpott meine Supporter ansprechen kann und denen einen guten Kampf liefern kann.
Die Familie Kehl hat ja eine Rechnung mit deinem Gegner John Watson offen, der hat deinen Bruder im letzten Kampf ausgeknockt.
Ich will einfach nur die Familienehre wiederherstellen und die Kehl-Watson-Bilanz wieder gerade ziehen.
Ist das für dich eine extra Motivation?
Auf jeden Fall. Weil ich weiß, dass er meinen Bruder geschlagen hat, hab ich mich in der Vorbereitung noch ein bisschen mehr ins Zeug gelegt. Bei dem Kampf geht es nicht um irgendetwas, sondern ich kämpfe für meinen Bruder mit.
Und was ist deine Prognose für den Kampfausgang?
Ich werde als Sieger aus dem Ring gehen. Ob Punkte oder K.o., das werden wir am Samstag sehen.
Wie schätzt Du Deinen Gegner ein?
John Watson ist auf jeden Fall ein sehr starker Gegner. Er ist ein harter Muay-Thai-Kämpfer, hat schon alle großen Namen in der Muay-Thai-Szene gekämpft. Er ist ein gefürchteter Gegner und dadurch, dass er meinen Bruder ausgeknockt hat, noch gefürchteter für mich. Aber die Vorteile liegen bei mir, da wir in meiner Heimat und nach K-1-Regeln kämpfen.
Wie und wo hast du dich vorbereitet?
Wie immer in Darmstadt in der Tempel Fightschool. Zudem war ich vor zwei Monaten noch in Thailand und hab mich da auf einen anderen Kampf vorbereitet. Ich würde mich sogar so weit aus dem Fenster lehnen, dass ich mich in einer so guten Verfassung befinde, wie noch nie. Ich bin heiß auf den Kampf und freu mich drauf.
Bist du immer noch neben deiner Kampfsportkarriere bei der Polizei tätig?
Ja, ich habe 2012 in Thüringen meine Ausbildung als Polizeimeister abgeschlossen. Mittlerweile bin ich Polizeihauptmeister und in Darmstadt stationiert. Ich bin bei der Bereitschaftspolizei, bei den ganzen Fußballspielen, Demonstrationen, Erdogan-Staatsbesuchen etc. stehe ich in der ersten Reihe.
Kannst Du Deine Kampfsport-Fähigkeiten da auch zum Einsatz bringen?
Tatsächlich ist es bei mir so, dass ich meine Widerstände in zehn Jahren Dienstzeit an knapp zwei Händen abzählen kann. Ich bin eher der Kommunikative. Wenn du weißt, was du drauf hast, trittst du ganz anders auf. Mir kann einer als böses Arschloch gegenübertreten, aber ich bin kommunikativ so stark, dass er dann am Ende der Maßnahme mein bester Freund ist. Das ist so bei Kampfsportlern, die haben Kontrolle, die wissen, was sie tun. Das Lustige ist, ich werde immer ausgesucht vom Gegenüber, weil ich der Größte und Stärkste bin aus der Einheit und da kommen sie immer zu mir. Meine Kollegen lachen schon immer in den Helm rein.
Wie kriegst du Vollzeitberuf und Profisport unter einen Hut?
Gute Frage (lacht). Die meisten meiner Follower denken, dass ich nur Kampfsportler bin, weil ich nie etwas über meinen Beruf poste. Es ist sehr extrem. Ich steh morgens um 5:00 Uhr auf, dann geh ich zum Training und bin dann acht bis zwölf Stunden im Einsatz. In der Vorbereitung muss ich auf meine zwei Einheiten am Tag kommen, da muss ich nach dem Dienst noch mal ins Gym. In der Vorbereitung ist Freizeit bei mir ganz klein geschrieben. Da freu ich mich, wenn ich auf sechs bis sieben Stunden Schlaf komme. Das ist extrem hart, aber das ist selbstgewähltes Leid. Ich hab’s mir selber ausgesucht, also muss ich auch mit den Konsequenzen leben.
Ich will keine anderen Sportler schlecht reden, aber ich will abgesichert sein. Ich weiß, dass ich von dem Sport nicht mein ganzes Leben leben kann und ich denke auch wirklich an morgen. Ich habe mir einen sicheren Job gesucht, bin Beamter auf Lebenszeit und einfach abgesichert. Ich habe auch nie mit dem Gedanken gespielt, die Polizei aufzugeben.
Du hast schon wahnsinnig viel erreicht – was war dein wichtigster Kampf bisher?
Da muss ich nicht lange nachdenken, das war 2014 mein K-1-MAX-Finale gegen Buakaw in Thailand. Die lebende Legende des Thaiboxens vor heimischem Publikum zu schlagen, das war einfach ein Traum, der in Erfüllung ging. Ich habe früher mit meinen Bruder an Weihnachten vorm Fernseher gesessen und das K-1-MAX-Finale geguckt. Damals hätten wir nie im Leben gedacht, einmal dort zu kämpfen, geschweigen denn, irgendwann den Titel zu gewinnen. Seitdem haben sich schlagartig die Rollen gewechselt, ich wurde vom Jäger zum Gejagten.
Du hast ja wirklich gegen etliche große Namen gekämpft. Was ist das für ein Gefühl, mit Legenden wie Buakaw, Sitthichai oder Fairtex in den Ring zu steigen?
Ich habe es immer geliebt, der Außenseiter zu sein. Alle meine großen Kämpfe habe ich bei meinem Gegner daheim gemacht. Ich liebe das Feeling, wenn ich in die Halle gehe und alle für den Gegner sind und du nur als Gewinner aus der Arena rausgehen kannst. Buakaw kocht genauso mit Wasser wie jeder andere Kämpfer, so wie ich auch. Der Respekt war damals natürlich da, aber ich habe einfach gesagt, ich muss meine Leistung abrufen und das habe ich gemacht.
In Thailand hast Du mal vor 300.000 Leuten gekämpft. So eine Zahl wirst Du in Deutschland nicht erreichen. Du machst den großen Spagat zur Mix Fight Gala, wo ein paar tausend Leute kommen. Was ist der Unterschied für dich als Kämpfer?
Das sind zwei ganz verschiedene Paar Schuhe. Vor 300.000 Leuten, das war das größte Kickbox-Event in Thailand, bei dem die komplette Elite aus Thailand an einem Abend gekämpft hat. Und wenn ich hier auf der Mix Fight Gala kämpfe, ist das, was deutschen Kampfsport angeht, mit das Beste. Es ist einfach ein ganz anderes Gefühl, wenn die ganze Halle für dich schreit, das pusht dich noch mal anders und gibt dir ein anderes Feeling im Ring.
Hast du denn irgendwelche Ziele, die du unbedingt noch erreichen möchtest?
Wenn man sich meine Kämpfe anguckt, sieht man, dass ich nicht einen Titelkampf gemacht habe. Das liegt einfach daran, dass ich keinen Wert darauf lege. Heutzutage ist ja jeder Weltmeister – oder zehnfacher Weltmeister. Das ist so lächerlich. Ich kämpfe lieber gegen die ganz großen Namen und verkaufe mich auf internationaler Ebene gut, als dass ich irgendwelche Titel sammle. Mein Ziel ist es, mich mit den Besten der Welt zu messen.
Hast du dir irgendein Limit gesetzt, gegen wen du noch kämpfen willst, bevor du aufhörst?
Ich denke vor jedem Kampf, wenn die Waage anfängt: Warum machst du den Scheiß, danach hörst du auf. Aber nach dem Kampf, wenn ich mich nicht verletzt habe, sage ich direkt: Manager, wo ist der nächste Kampf, ich will bald wieder kämpfen. Es ist ein Teufelskreis. Es ist wirklich eine Sucht, das kann man nicht anders beschreiben. Ich habe mir innerlich ein grobes Limit gegeben, aber solange mein Körper mitmacht, werde ich noch weitermachen. Ich hab noch Hummeln im Arsch und werde so lange weitermachen.
Vielen Dank für das Gespräch !
Kehl vs. Watson am 27. Oktober ab 21:30 Uhr live auf ran FIGHTING im Black Pass (3,99 Euro monatlich).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*